Zahnarzt Hamburg | Praxis Thomas Lewandowski
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Der Zahnarzt vom Zahnbrecher zum Forscher

Angst vor dem Zahnarzt ist weit verbreitet, aber die Vorstellung eines grimmigen Mannes, der mit großen Bohrern und Zangen hantiert und dabei rabiat ans Werk geht, ist glücklicherweise unbegründet. Werfen wir einen Blick in die Geschichte, ist die Quelle dieser Idee schnell ausgemacht.
In der frühen Neuzeit waren es Barbiere, Scherer oder Bader, die sich den Zahnleiden ihrer Mitmenschen annahmen. Bader waren bis ins 18. Jahrhundert hinein Betreiber von Badehäusern, die außerdem auch im weitesten Sinne chirurgische und zahnmedizinische Eingriffe vornahmen – nämlich für die arme Bevölkerung, die sich den Besuch eines studierten Arztes nicht leisten konnten. Ihr Behandlungsspektrum war dabei denkbar klein und nicht selten wurde der schmerzende Zahn kurzerhand gezogen. Es ist dies ein Vorgehen, das neben den heutigen Möglichkeiten der konservativen Behandlung, Endodontie und nicht zuletzt der Prävention natürlich barbarisch wirken muss! Das gilt auch für Anästhesie, die erst im ausgehenden 19. Jahrhundert Einzug in die Zahnmedizin hielt. Gerade in der Druckgraphik oder Genremalerei sind zahllose Darstellungen überliefert, die weniger einen Arzt als einen ‘Zahnbrecher’ uns vor Augen vorführen, der mit bedrohlichen Gerätschaften im Mund seines Patienten ‘herumfuhrwerkt’. Diese Eingriffe fanden nicht selten in Wirtshäusern statt, eine Vorstellung, die heute wohl eher befremdlich wirkt.

Die heutige Ausbildung des Zahnarztes geht erfreulicherweise wesentlich differenzierter vor. – Dies geht in letzter Instanz auf den Franzosen Pierre Fauchard zurück, der 1728 die erste umfassende wissenschaftliche Abhandlung über die Zahnmedizin verfasst hat: Le Chirurgien dentiste, ou Traité des dents. Fauchard erkannte beispielsweise die Rolle des Zuckers bei der Entstehung von Karies und bestritt die Jahrtausende alte Vorstellung des Zahnwurmes als Ursache von Zahnschmerzen. Schon die Babylonier wähnten dieses übelwollende Tier in den Zähnen leidender Mitmenschen und auch Hildegard von Bingen machte den Zahnwurm noch für kariöse Defekte verantwortlich. Mit dieser und vielen weiteren Thesen und Beobachtungen war Fauchard seiner Zeit weit voraus.

Le Chirurgien dentiste, ou Traité des dents lieferte die erste strikt zahnmedizinische Aufbereitung von der Anatomie des Mundes, dem Aufbau der Zähne und ihren Krankheiten. Es umfasste lediglich zwei Bände, die heute natürlich in keiner Weise mehr genügten, das medizinische Wissen vollständig zu präsentieren. Statistisch gesehen verdoppeln sich diese Kenntnisse heutzutage etwa alle sechs Jahre. Angesichts dieser enormen Datenmenge kann auch der Laie erahnen, wie anspruchsvoll das Studium der Zahnmedizin sich ausnimmt. Sie ist teilweise deckungsgleich mit der Humanmedizin. Während der Humanmediziner sich aber erst nach dem Studium in einer Fachrichtung spezialisieren kann, ist dies in der Zahnmedizin bereits im Studium angelegt. Somit erlangen die Zahnmediziner mit ihrer Approbation aber nicht auch das Recht als Humanmediziner tätig zu werden.

Das zahnmedizinische Studium ist dabei niemals nur das praktische Erlernen der probaten Handlungsmethoden nach korrekter Diagnose der Krankheit. Es stellt außerdem die Grundlage dar, sich auf wissenschaftliche Weise mit dem Gebiet Zahnmedizin auseinanderzusetzen. Das heißt, der Mediziner erlernt, methodisch und kritisch reflektierend, Problemen zu begegnen, Thesen oder Fragestellungen zu erarbeiten und diese anschließend auch zu diskutieren. Greifbar bedeutet dies, dass besondere Erscheinungsformen etwa von Zahnanomalien und deren Behandlung beschrieben werden können. Diese Ergebnisse werden bekanntgegeben und finden Verbreitung unter anderen Zahnärzten, die womöglich ähnliche Erfahrungen hatten und die Ergebnisse ergänzen können. Diese können ebenfalls eine Hilfe für denjenigen sein, der sich als behandelnder Arzt plötzlich mit eben dieser Anomalie konfrontiert sieht. – Der Zahnmediziner ist insofern immer auch ein Forscher und sorgt dafür, dass das Wissen um den Zahn und seine Erkrankungen weiter wächst.

Trotz der bereits im Studium angestrebten Spezialisierung ist auch im Berufsleben eine noch weitergehende Differenzierung zahnärztlicher Tätigkeitsfelder möglich. Nach mehrjähriger Weiterbildungszeit kann unter anderem der Titel des Kieferorthopäden oder des Oralchirurgen erworben werden. Wundern Sie sich daher nicht, wenn Ihr Zahnarzt sie unter Umständen an einen Kollegen verweist. Gilt es sehr komplexe Behandlungsschritte einzuleiten, sind Sie bei einem Fachzahnarzt mitunter besser aufgehoben. Ein verantwortungsvoller Arzt trägt dieser Möglichkeit immer Rechnung.
In Deutschland besteht überdies eine Pflicht für praktizierende Zahnarzte, sich stets so fortzubilden, dass sie auf der Höhe der gegenwärtigen Forschung sind. Auf diese Weise soll sichergestellt werden, dass jedem Patienten immer die bestmögliche Behandlung zuteil wird. Ein guter Zahnarzt braucht diese Verpflichtung jedoch nicht – seine Neugier bleibt wach und sorgt dafür, dass die Ergebnisse neue Erkenntnisse stets beim Patienten ankommen.